Grundzüge des Straf- und Verfahrensrechts

Das Straf- und Verfahrensrecht besteht aus mehreren Gesetzen. Das Strafrecht ist vor allem im Strafgesetzbuch (StGB) geregelt, das Verfahrensrecht in der Strafprozessordnung (StPO). Beide sind im Sicherheitsbereich besonders wichtig.

Das StGB legt fest, wann eine Straftat vorliegt und welche Strafen drohen. Die StPO regelt, wie eine Straftat verfolgt wird – vom Beginn (Anzeige oder Festnahme) bis zum Abschluss des Verfahrens (Urteil).

Zusätzlich gibt es Nebenstrafrecht, z. B.:
• BtMG (Betäubungsmittelgesetz)
• WaffG (Waffengesetz)
• Unterschied Strafrecht – Zivilrecht
• Strafrecht (StGB / StPO): Ahndung von Straftaten und mögliche Bestrafung.
• Zivilrecht (BGB): Private Ansprüche, z. B. Herausgabe, Unterlassung oder Schadensersatz.
Dieser Unterschied ist auch bei der Anwendung von Rechtfertigungsgründen wichtig.

Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was ist das Straf- und Verfahrensrecht?
Es regelt, was eine Straftat ist und wie sie verfolgt wird.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Welche Gesetze gehören zum Straf- und Verfahrensrecht?
Das Strafgesetzbuch und die Strafprozessordnung.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was ist Straf- und Verfahrensrecht?Was regelt das Strafgesetzbuch (StGB)?
Welche Handlungen strafbar sind und welche Strafen drohen.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was regelt die Strafprozessordnung (StPO)?
Den Ablauf des Strafverfahrens von Anzeige bis Urteil.

Grundstruktur des Strafgesetzbuches

Das Strafgesetzbuch (StGB) ist in zwei Hauptteile gegliedert:
• Allgemeiner Teil (§§ 1–79b)
• Besonderer Teil (§§ 80–358)

Im allgemeinen Teil stehen die grundlegenden Regeln zur Bewertung von Straftaten, z. B.:
• was ein Versuch ist
• was Verbrechen und Vergehen sind
• allgemeine Voraussetzungen der Strafbarkeit

Im besonderen Teil sind die einzelnen Straftaten aufgeführt. Dort findet man:
• den Tatbestand (was genau getan werden muss, damit eine Straftat vorliegt)
• die Strafandrohung (Art und Höhe der Strafe), z. B. bei Diebstahl oder Hausfriedensbruch

Einige Straftaten sind nicht im StGB selbst geregelt, sondern in Nebengesetzen, z. B.:
• Waffengesetz (WaffG)
• Betäubungsmittelgesetz (BtMG)
Aus der Strafprozessordnung (StPO) ist besonders § 127 StPO – vorläufige Festnahme von Bedeutung.

Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Wie ist das Strafgesetzbuch aufgebaut?
In einen Allgemeinen Teil und einen Besonderen Teil.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was regelt der Allgemeine Teil des StGB?
Allgemeine Regeln zur Beurteilung von Straftaten, z. B. Versuch, Vorsatz, Verbrechen und Vergehen.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was steht im Besonderen Teil des StGB?
Die einzelnen Straftatbestände und die jeweilige Strafandrohung.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was ist ein Tatbestand?
Die Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit eine Straftat vorliegt.

Grundsatz: Keine Strafe ohne gesetzliche Grundlage

§ 1 StGB legt fest, dass niemand bestraft werden darf, wenn es für sein Verhalten kein Gesetz gibt, das dieses Verhalten ausdrücklich verbietet und unter Strafe stellt.

Das bedeutet: Eine Handlung ist nur dann strafbar, wenn sie zum Zeitpunkt der Tat bereits gesetzlich geregelt war.

Daher ist es auch unzulässig, jemanden nachträglich zu bestrafen, wenn ein Verhalten erst später in das Strafgesetzbuch aufgenommen wird. Dieses Prinzip nennt man Rückwirkungsverbot.

§ 1 Keine Strafe ohne Gesetz
Eine Tat kann nur bestraft werden, wenn die Strafbarkeit gesetzlich bestimmt war, bevor die Tat begangen wurde.

Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was bedeutet „Keine Strafe ohne Gesetz“?
Eine Tat darf nur bestraft werden, wenn sie gesetzlich verboten ist.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Wo ist dieser Grundsatz geregelt?
In § 1 StGB.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Darf man für eine Tat bestraft werden, die erst später unter Strafe gestellt wurde?
Nein.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Wie nennt man dieses Verbot?
Rückwirkungsverbot.

Welche Arten von Strafen gibt es?

Wird eine Straftat begangen, folgt in der Regel ein Strafverfahren. Am Ende entscheidet ein Richter mit einem Urteil über die Strafe.

Dabei gibt es zwei grundlegende Arten von Strafen:
• Geldstrafe
• Freiheitsstrafe

Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Welche Hauptstrafen kennt das Strafrecht?
Geldstrafe und Freiheitsstrafe.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was ist eine Geldstrafe?
Eine Strafe in Form von Geld, meist in Tagessätzen.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was ist eine Freiheitsstrafe?
Entzug der Freiheit durch Haft.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Wer entscheidet über die Strafe?
Das zuständige Gericht im Strafprozess.

Was versteht man unter einer Straftat?

Eine Straftat (auch Delikt genannt) ist ein Verhalten, das durch ein Gesetz verboten ist und mit einer Strafe belegt wird.
Damit rechtlich eine Straftat vorliegt, müssen drei Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt sein. Fehlt auch nur eine davon, liegt keine Straftat vor.

1. Tatbestand
Der Tatbestand beschreibt alle Merkmale, die erfüllt sein müssen, damit ein Verhalten strafbar ist. Vereinfacht gesagt:
Er legt fest, was genau getan werden muss, damit eine Straftat entsteht.

Man unterscheidet:
• Objektive Merkmale:
Von außen erkennbare Umstände, z. B. die Handlung selbst.
• Subjektive Merkmale:
Innere Umstände des Täters, z. B. Vorsatz, Motivation oder Absicht.

2. Rechtswidrigkeit
Ein Verhalten ist rechtswidrig, wenn es gegen geltendes Recht verstößt.
Keine Rechtswidrigkeit liegt vor, wenn ein Rechtfertigungsgrund besteht, z. B.:
• § 32 StGB – Notwehr
• § 34 StGB – Rechtfertigender Notstand
• § 127 StPO – Vorläufige Festnahme
• § 227 BGB – Notwehr
• § 228 BGB – Verteidigender Notstand
• § 229 BGB – Allgemeine Selbsthilfe
• § 859 / § 860 BGB – Selbsthilfe des Besitzers / Besitzdieners
• § 904 BGB – Angreifender Notstand

3. Schuld
Eine Handlung ist schuldhaft, wenn dem Täter kein Grund zugutekommt, der die Schuld ausschließt oder entschuldigt.
Schuldausschließungsgründe (keine Schuld):
• Kind unter 14 Jahren
• Vollrausch
• Schuldunfähigkeit aufgrund psychischer Störung

Entschuldigungsgründe:
• § 33 StGB – Notwehrexzess
• § 35 StGB – Entschuldigender Notstand

Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was ist eine Straftat?
Ein Verhalten, das durch ein Gesetz mit Strafe bedroht ist.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Aus welchen drei Teilen besteht eine Straftat?
Tatbestand, Rechtswidrigkeit, Schuld.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was ist der Tatbestand?
Die Merkmale, die erfüllt sein müssen, damit eine Straftat vorliegt.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was sind objektive und subjektive Tatbestandsmerkmale?
Objektiv: äußerlich wahrnehmbare Merkmale; subjektiv: innere Einstellung wie Vorsatz oder Motivation.

Vorsatz und Fahrlässigkeit im Strafrecht

Grundsätzlich ist nur vorsätzliches Handeln strafbar.
Auch fahrlässiges Handeln kann strafbar sein, wenn das jeweilige Gesetz dies ausdrücklich vorsieht.

Vorsatz bedeutet, dass jemand wissentlich und willentlich handelt und sich dabei bewusst ist, dass sein Verhalten rechtswidrig ist. Die Tat erfolgt also absichtlich.

Fahrlässigkeit liegt vor, wenn jemand die erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt. Die Handlung geschieht ohne Absicht, jedoch aufgrund von Unachtsamkeit oder Nachlässigkeit.

Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was ist grundsätzlich strafbar?
Vorsätzliches Handeln.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Wann ist fahrlässiges Handeln strafbar?
Nur, wenn das Gesetz es ausdrücklich unter Strafe stellt.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was bedeutet Vorsatz?
Handeln mit Wissen und Wollen.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was bedeutet Fahrlässigkeit?
Außer-Acht-Lassen der erforderlichen Sorgfalt ohne Absicht.

Was ist der Unterschied zwischen Verbrechen und Vergehen?

Im Strafrecht unterscheidet man zwei Arten von Straftaten: Verbrechen und Vergehen.

Verbrechen
Verbrechen sind besonders schwere Straftaten.
Die Mindeststrafe beträgt dabei ein Jahr Freiheitsstrafe oder mehr.

Wichtige Merkmale:
• Der Versuch ist immer strafbar
• Es handelt sich immer um ein Offizialdelikt

Beispiel:
• § 211 StGB – Mord

Vergehen
Vergehen sind leichtere Straftaten. Die Mindeststrafe liegt unter einem Jahr Freiheitsstrafe oder besteht aus einer Geldstrafe.

Wichtige Merkmale:
• Der Versuch ist nur strafbar, wenn das Gesetz dies ausdrücklich bestimmt

Beispiele:
• § 242 StGB – Diebstahl
• § 240 StGB – Nötigung


§ 12 Verbrechen und Vergehen
(1) Verbrechen sind rechtswidrige Taten, die im Mindestmaß mit Freiheitsstrafe von einem Jahr oder darüber bedroht sind.

(2) Vergehen sind rechtswidrige Taten, die im Mindestmaß mit einer geringeren Freiheitsstrafe oder die mit Geldstrafe bedroht sind.

(3) Schärfungen oder Milderungen, die nach den Vorschriften des Allgemeinen Teils oder für besonders schwere oder minder schwere Fälle vorgesehen sind, bleiben für die Einteilung außer Betracht.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Welche Arten von Straftaten gibt es?
Verbrechen und Vergehen.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was sind Verbrechen?
Straftaten mit einer Mindeststrafe von 1 Jahr Freiheitsstrafe oder mehr.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was sind Vergehen?
Straftaten mit unter 1 Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe als Mindeststrafe.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Ist der Versuch bei Vergehen immer strafbar?
Nein, nur wenn es ausdrücklich im Gesetz steht.

Unterschied zwischen Offizialdelikten und Antragsdelikten

Grundsätzlich ist der Staat verpflichtet, bekannt gewordene Straftaten zu verfolgen. Das nennt man das Legalitätsprinzip.

Offizialdelikte
Offizialdelikte sind Straftaten, die der Staat von sich aus verfolgen muss. Dazu zählen die meisten Straftaten.

Antragsdelikte
Antragsdelikte werden nur verfolgt, wenn das Opfer einen Strafantrag stellt. Hier entscheidet also das Opfer, ob die Tat verfolgt werden soll.

Man unterscheidet zwei Arten:

Absolute Antragsdelikte
Diese Straftaten werden ausschließlich auf Antrag des Opfers verfolgt.
Beispiele:
• Beleidigung – § 185 / § 194 StGB
• Hausfriedensbruch – § 123 StGB

Relative Antragsdelikte
Diese Taten werden normalerweise nur auf Antrag verfolgt.
Liegt jedoch ein besonderes öffentliches Interesse vor, kann der Staat auch ohne Antrag tätig werden.
Beispiele:
• Körperverletzung – § 223 StGB
• Sachbeschädigung – § 303 StGB

Privatklage
Wird ein Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt, kann das Opfer selbst Klage erheben, ohne die Staatsanwaltschaft.
Dies nennt man Privatklage.

Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was sind Offizialdelikte?
Straftaten, die der Staat von Amts wegen verfolgt.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was sind Antragsdelikte?
Straftaten, die nur auf Antrag des Opfers verfolgt werden.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was ist der Unterschied zwischen absoluten und relativen Antragsdelikten?
Absolute nur mit Antrag, relative auch ohne Antrag bei öffentlichem Interesse.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was bedeutet Privatklage?
Das Opfer klagt selbst, wenn die Staatsanwaltschaft nicht verfolgt.

Unterlassungsdelikte im Strafrecht

Im Unterschied zu Begehungsdelikten (z. B. Diebstahl oder Körperverletzung), bei denen ein aktives Tun erforderlich ist, entstehen Unterlassungsdelikte durch Nichtstun.
Man begeht also eine Straftat, weil man etwas nicht getan hat, obwohl man hätte handeln müssen.
Unterlassungsdelikte werden in echte und unechte Unterlassungsdelikte unterteilt.

Echte Unterlassungsdelikte
Echte Unterlassungsdelikte sind direkt im Strafgesetzbuch geregelt. Hier wird allein durch das Unterlassen einer Handlung eine Straftat begangen.
Beispiel:
• § 323c StGB – Unterlassene Hilfeleistung Wer bei einem Unglück nicht hilft, obwohl Hilfe nötig und zumutbar wäre, macht sich strafbar.

Weitere Beispiele:
• § 138 StGB – Nichtanzeige geplanter Straftaten
• § 142 StGB – Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort

Unechte Unterlassungsdelikte
Unechte Unterlassungsdelikte liegen vor, wenn jemand einen strafbaren Erfolg nicht verhindert, obwohl er rechtlich dazu verpflichtet ist.

Diese Verpflichtung nennt man Garantenstellung.
Die betroffene Person wird als Garant bezeichnet, weil sie für den Schutz bestimmter Rechtsgüter verantwortlich ist.

Eine Garantenstellung entsteht z. B.:
• durch gesetzliche Pflicht (z. B. Eltern gegenüber ihren Kindern)
• durch vertragliche Verpflichtung (z. B. Sicherheitsdienst mit Bewachungsauftrag)
• durch vorheriges eigenes Verhalten, das eine Gefahr verursacht hat
Wer ein unechtes Unterlassungsdelikt begeht, wird grundsätzlich so bestraft, als hätte er aktiv gehandelt.
Eine Strafmilderung ist jedoch möglich (§ 13 Abs. 2 StGB).

§ 13 Begehen durch Unterlassen
(1) Wer es unterläßt, einen Erfolg abzuwenden, der zum Tatbestand eines Strafgesetzes gehört, ist nach diesem Gesetz nur dann strafbar, wenn er rechtlich dafür einzustehen hat, daß der Erfolg nicht eintritt, und wenn das Unterlassen der Verwirklichung des gesetzlichen Tatbestandes durch ein Tun entspricht.

(2) Die Strafe kann nach § 49 Abs. 1 gemildert werden.
Beispiel 1
Frau Hartmann arbeitet als Erzieherin. Bei einem Ausflug mit ihrer Kindergruppe trägt sie die Verantwortung für die Aufsicht und Sicherheit der Kinder. An einem Rastplatz angekommen, dürfen die Kinder spielen. Der vierjährige Jonas klettert auf eine Mauer, hinter der sich ein tiefer Abhang befindet.

Frau Hartmann kennt die örtlichen Gegebenheiten, da sie dort bereits mehrfach war, und bemerkt, wie Jonas auf der Mauer spielt. Sie greift jedoch nicht ein, weil sie sich lieber mit einer Kollegin zum Kaffeetrinken setzt. Kurz darauf stürzt Jonas von der Mauer und erleidet schwere Verletzungen.

Frau Hartmann macht sich dadurch wegen schwerer Körperverletzung durch Unterlassen strafbar.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was sind Unterlassungsdelikte?
Straftaten, die durch Nichtstun begangen werden.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Welche Arten von Unterlassungsdelikten gibt es?
Echte und unechte Unterlassungsdelikte.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was sind echte Unterlassungsdelikte?
Im Gesetz ausdrücklich geregelte Pflichtverletzungen, z. B. unterlassene Hilfeleistung (§ 323c StGB).
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was sind unechte Unterlassungsdelikte?
Straftaten durch Nichtverhindern eines Erfolgs trotz Garantenstellung.

Formen der Täterschaft


§ 25 StGB – Alleintäter und Mittäter

Begeht eine Person eine Straftat allein, handelt es sich um einen Alleintäter.
Wirken mehrere Personen gemeinsam an einer Straftat mit und verfolgen sie denselben Taterfolg, gelten sie als Mittäter.

§ 25 Täterschaft
(1) Als Täter wird bestraft, wer die Straftat selbst oder durch einen anderen begeht.
(2) Begehen mehrere die Straftat gemeinschaftlich, so wird jeder als Täter bestraft (Mittäter).

Beispiel 1
Herr Müller geht auf Herrn Schmidt zu und schlägt ihn.
Herr Müller handelt dabei als Alleintäter.
Beispiel 2
Herr Keller, Herr Braun und Herr Vogt gehen gemeinsam auf Herrn Meier zu und schlagen ihn zusammen.
Alle drei handeln dabei als Mittäter.

Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was ist ein Alleintäter?
Eine Person, die eine Straftat allein begeht.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten:Was sind Mittäter?
Mehrere Personen, die eine Straftat gemeinsam begehen.


§ 26 StGB – Anstiftung

Wer eine andere Person gezielt dazu bringt, eine Straftat zu begehen, gilt als Anstifter und wird wie ein Täter bestraft.

Die Anstiftung erfolgt durch psychische Einflussnahme, zum Beispiel durch Zureden, Überreden oder eine Belohnung.

§ 26 Anstiftung
Als Anstifter wird gleich einem Täter bestraft, wer vorsätzlich einen anderen zu dessen vorsätzlich begangener rechtswidriger Tat bestimmt hat.

Beispiel 1
Frau Berger möchte sich an ihrer Nachbarin Frau Klein rächen und fordert ihren Ehemann auf, einen tiefen Kratzer am Auto von Frau Klein zu verursachen.

Frau Berger handelt hier als Anstifterin und kann – ebenso wie ihr Mann – wegen Sachbeschädigung bestraft werden.

Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was bedeutet Anstiftung?
Jemand bringt einen anderen dazu, eine Straftat zu begehen.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten:Wie kann man anstiften?
Durch Zureden, Überreden oder Bezahlung.


§ 27 StGB – Beihilfe

Wer eine andere Person bei der Begehung einer Straftat unterstützt, gilt als Gehilfe. Der Gehilfe wird milder bestraft als der Täter.

Die Unterstützung kann erfolgen durch:
physische Hilfe – also aktive Unterstützung
psychische Hilfe – z. B. Bestärken, Ermutigen oder Motivieren

§ 27 Beihilfe
(1) Als Gehilfe wird bestraft, wer vorsätzlich einem anderen zu dessen vorsätzlich begangener rechtswidriger Tat Hilfe geleistet hat.

(2) Die Strafe für den Gehilfen richtet sich nach der Strafdrohung für den Täter. Sie ist nach § 49 Abs. 1 zu mildern.

Beispiel 1
Herr Kramer will Herrn Seidel schlagen, weil dieser ihm Geld schuldet. Sein Freund Herr Wolf stellt ihm dafür einen Baseballschläger zur Verfügung und ermutigt ihn, diesen zu benutzen. Am nächsten Tag greift Herr Kramer Herrn Seidel mit dem Baseballschläger an und verletzt ihn schwer.

Herr Wolf leistet dadurch Beihilfe zur Tat von Herrn Kramer.

Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was ist Beihilfe?
Hilfe für einen anderen bei einer Straftat.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten:Wer ist ein Gehilfe?
Wer den Täter unterstützt.

Der strafbare Versuch

Ein Versuch liegt vor, wenn jemand nach seiner Vorstellung unmittelbar mit der Ausführung einer Straftat beginnt, diese aber nicht vollendet.

Bei Verbrechen ist der Versuch immer strafbar.
Bei Vergehen ist der Versuch nur dann strafbar, wenn das Gesetz dies ausdrücklich vorsieht.

Wichtig: Reine Vorbereitungshandlungen wie Planen oder Bereitlegen von Gegenständen sind – mit wenigen Ausnahmen – nicht strafbar.


Beispiel 1
Der Täter Markus hat vor, in eine Wohnung einzubrechen. Er schlägt ein Fenster ein und klettert in die Wohnung. Im Wohnzimmer beginnt er, nach Geld zu suchen. Dabei wird er von der Bewohnerin Frau Keller überrascht, woraufhin Markus flüchtet.

Es ist klar erkennbar, dass Markus Gegenstände stehlen wollte. Er hat damit unmittelbar zur Tat angesetzt.
Nach § 244 StGB (Wohnungseinbruchsdiebstahl) ist bereits der Versuch strafbar.

Damit hat sich Markus schon durch den Versuch des Einbruchs und des Diebstahls strafbar gemacht.

Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Wann liegt ein Versuch vor?
Wenn jemand unmittelbar zur Tat ansetzt, sie aber nicht vollendet.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Ist der Versuch immer strafbar?
Bei Verbrechen ja, bei Vergehen nur wenn es im Gesetz steht.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was bedeutet „unmittelbar ansetzen“?
Der Täter beginnt direkt mit der Tatausführung.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Sind Vorbereitungshandlungen strafbar?
Nein, grundsätzlich nicht, außer in wenigen Ausnahmefällen.

Rechtfertigungsgründe aus StGB und StPO

Im Strafgesetzbuch (StGB) und in der Strafprozessordnung (StPO) sind wichtige Rechtfertigungsgründe geregelt:
§ 32 StGB – Notwehr
§ 34 StGB – Rechtfertigender Notstand
§ 127 StPO – Vorläufige Festnahme
Diese Vorschriften können dazu führen, dass ein Verhalten nicht strafbar ist, obwohl es normalerweise verboten wäre.

Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Welche Rechtfertigungsgründe stehen im Strafrecht?
Notwehr (§ 32 StGB), rechtfertigender Notstand (§ 34 StGB), vorläufige Festnahme (§ 127 StPO).
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was regelt § 32 StGB?
Notwehr gegen einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was regelt § 34 StGB?
Rechtfertigenden Notstand zur Abwendung einer gegenwärtigen Gefahr.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was erlaubt § 127 StPO?
Die vorläufige Festnahme durch jedermann.

§32 StGB nach Notwehr

Wer in Notwehr handelt, begeht keine rechtswidrige Tat.

Notwehr bedeutet eine Verteidigung, die notwendig ist, um einen gegenwärtigen und rechtswidrigen Angriff von sich selbst oder von einer anderen Person abzuwehren.

Begriffe kurz erklärt:
• Angriff: Eine drohende oder tatsächliche Verletzung eines Rechtsgutes durch einen Menschen
• Gegenwärtig: Der Angriff steht unmittelbar bevor, findet gerade statt oder dauert noch an
• Rechtswidrig: Das Verhalten des Angreifers verstößt gegen das Gesetz und ist nicht gerechtfertigt
• Tat: Eine strafbare Handlung
• Erforderlich: Die Verteidigung muss geeignet und notwendig sein, um den Angriff schnell zu stoppen
• Geboten: Die Verteidigung darf nicht in einem deutlichen Missverhältnis stehen → nicht geboten z. B. bei absichtlicher Provokation
Ziel der Notwehr ist es, den Angriff so schnell wie möglich zu beenden.

Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Wann handelt man nicht rechtswidrig?
Wenn man in Notwehr handelt.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was ist Notwehr?
Eine notwendige Verteidigung gegen einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was bedeutet „gegenwärtiger rechtswidriger Angriff“?
Der Angriff steht kurz bevor, passiert gerade oder dauert noch an und ist nicht erlaubt.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was ist das Ziel der Notwehr?
Den Angriff so schnell wie möglich zu beenden.

Rechtfertigender Notstand nach § 34 StGB

Der rechtfertigende Notstand erlaubt es, in einer akuten Gefahrensituation eine sonst strafbare Handlung vorzunehmen, um eine Gefahr von sich selbst oder von einer anderen Person abzuwenden.

Voraussetzung ist, dass durch die gegenwärtige Gefahr ein Rechtsgut bedroht oder bereits verletzt wird. Dabei muss immer eine Abwägung der Rechtsgüter erfolgen.

Das geschützte Rechtsgut muss dabei deutlich höherwertig sein als das Rechtsgut, in das eingegriffen wird.


§ 34 Rechtfertigender Notstand
Wer in einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für Leben, Leib, Freiheit, Ehre, Eigentum oder ein anderes Rechtsgut eine Tat begeht, um die Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden, handelt nicht rechtswidrig, wenn bei Abwägung der widerstreitenden Interessen, namentlich der betroffenen Rechtsgüter und des Grades der ihnen drohenden Gefahren, das geschützte Interesse das beeinträchtigte wesentlich überwiegt. Dies gilt jedoch nur, soweit die Tat ein angemessenes Mittel ist, die Gefahr abzuwenden.

Beispiel 1
Der Sicherheitsmitarbeiter Jan beobachtet, wie der stark alkoholisierte Herr Möller seinen Autoschlüssel hervorholt und in sein Fahrzeug einsteigen will. Da sich der Vorfall mitten im Stadtgebiet ereignet, besteht eine erhebliche Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer.

Jan nimmt Herrn Möller daraufhin die Autoschlüssel ab und verständigt die Polizei.

Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was erlaubt der rechtfertigende Notstand?
Eine Straftat zu begehen, um eine gegenwärtige Gefahr abzuwenden.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Für wen darf die Gefahr abgewendet werden?
Für sich selbst oder für eine andere Person.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Welche Voraussetzung ist besonders wichtig?
Es muss eine Abwägung der Rechtsgüter erfolgen.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten:Wann ist die Handlung gerechtfertigt?
Wenn das geschützte Rechtsgut deutlich höherwertiger ist als das beeinträchtigte.

Vorläufige Festnahme nach § 127 StPO

§ 127 StPO erlaubt es jedermann, eine Person vorläufig festzunehmen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Voraussetzungen:
• Die Person wird auf frischer Tat betroffen oder verfolgt
• und es besteht Fluchtgefahr oder die Personalien sind nicht feststellbar

Begriffe kurz erklärt:
Frische Tat: Straftat wird gerade begangen oder wurde soeben begangen
Fluchtgefahr: Die Person könnte sich der Strafverfolgung entziehen
Unbekannte Personalien: Keine Ausweispapiere und Person nicht bekannt

Zweck der Maßnahme:
Sicherung der strafrechtlichen Verfolgung. Eine Festnahme zur Durchsetzung privater Ansprüche ist unzulässig.
Nach der Festnahme ist unverzüglich die Polizei zu verständigen.


§ 127 Vorläufige Festnahme
(1) 1Wird jemand auf frischer Tat betroffen oder verfolgt, so ist, wenn er der Flucht verdächtig ist oder seine Identität nicht sofort festgestellt werden kann, jedermann befugt, ihn auch ohne richterliche Anordnung vorläufig festzunehmen. 2Die Feststellung der Identität einer Person durch die Staatsanwaltschaft oder die Beamten des Polizeidienstes bestimmt sich nach § 163b Abs. 1.

(2) Die Staatsanwaltschaft und die Beamten des Polizeidienstes sind bei Gefahr im Verzug auch dann zur vorläufigen Festnahme befugt, wenn die Voraussetzungen eines Haftbefehls oder eines Unterbringungsbefehls vorliegen.

(3) 1Ist eine Straftat nur auf Antrag verfolgbar, so ist die vorläufige Festnahme auch dann zulässig, wenn ein Antrag noch nicht gestellt ist. 2Dies gilt entsprechend, wenn eine Straftat nur mit Ermächtigung oder auf Strafverlangen verfolgbar ist.

(4) Für die vorläufige Festnahme durch die Staatsanwaltschaft und die Beamten des Polizeidienstes gelten die §§ 114a bis 114c entsprechend.

Beispiel 1
Der Revierfahrer Daniel entdeckt bei einer Kontrollfahrt eine Person, die mit Spraydosen eine Wand des überwachten Objekts besprüht. Neben der Person liegen ein Rucksack sowie weitere Farbdosen. Die Person ist Daniel nicht bekannt.

Daniel spricht die Person an, bringt sie in einen Kreuzfesselgriff und fixiert sie anschließend am Boden.

Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was erlaubt § 127 StPO?
Die vorläufige Festnahme durch jedermann.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Wann darf eine Person vorläufig festgenommen werden?
Bei frischer Tat und Fluchtverdacht oder unbekannten Personalien.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was bedeutet „frische Tat“?
Die Straftat wird gerade begangen oder wurde soeben begangen.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was muss nach der Festnahme sofort erfolgen?
Die Polizei ist unverzüglich zu verständigen.

Schuldausschließungsgründe im Strafgesetzbuch

Im Strafgesetzbuch sind folgende Entschuldigungsgründe geregelt, bei denen trotz Tat keine Schuld vorliegt:

• § 33 StGB – Notwehrexzess (Überschreiten der Notwehr)

• § 35 StGB – Entschuldigender Notstand


Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was bewirken Schuldausschließungs- oder Entschuldigungsgründe?
Die Tat bleibt rechtswidrig, der Täter wird aber nicht bestraft.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was regelt § 33 StGB?
Den Notwehrexzess, also das Überschreiten der Notwehr aus Verwirrung, Furcht oder Schrecken.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was regelt § 35 StGB?
Den entschuldigenden Notstand bei Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Sind diese Gründe Rechtfertigungsgründe?
Nein, sie entschuldigen nur die Tat, sie rechtfertigen sie nicht.

Notwehrexzess nach § 33 StGB

Wird in einer Notwehrlage die zulässige Grenze der Verteidigung aus Verwirrung, Angst oder Schrecken überschritten, bleibt die handelnde Person straffrei.

Das bedeutet: Jemand wehrt einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff ab und setzt dabei mehr Gewalt ein, als eigentlich erlaubt. Grundsätzlich wäre dies strafbar. Erfolgt die Überschreitung jedoch aufgrund von Verwirrung, Furcht oder Schrecken, tritt keine Bestrafung ein.

Der Notwehrexzess ist ein Entschuldigungsgrund. Dadurch entfällt das Merkmal der Schuld, sodass insgesamt keine Straftat vorliegt.


§ 33 Überschreitung der Notwehr
Überschreitet der Täter die Grenzen der Notwehr aus Verwirrung, Furcht oder Schrecken, so wird er nicht bestraft.

Beispiel 1
Die Bergsteiger Leon, Max und Noah sind gemeinsam unterwegs und mit einem Seil gesichert. Während des Aufstiegs rutschen Max und Noah ab und hängen über einem tiefen Abgrund. Leon kann sich zwar noch halten, verliert jedoch zunehmend den Halt.

Würde Leon weiterhin mit den beiden verbunden bleiben, würden alle drei abstürzen. Um sein eigenes Leben zu retten, schneidet Leon das Seil durch. Dadurch überlebt er, während die Verbindung zu den anderen gekappt wird.

Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was ist ein Notwehrexzess?
Das Überschreiten der Grenzen der Notwehr.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Wann bleibt der Täter straffrei?
Wenn die Überschreitung aus Verwirrung, Furcht oder Schrecken erfolgt.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Ist die Tat dann rechtmäßig?
Nein, sie bleibt rechtswidrig.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Warum wird trotzdem nicht bestraft?
Weil § 33 StGB ein Entschuldigungsgrund ist und die Schuld entfällt.

Entschuldigender Notstand nach § 35 StGB

Wer eine Straftat begeht, um eine gegenwärtige und nicht anders abwendbare Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit von sich selbst, einem Angehörigen oder einer nahestehenden Person abzuwenden, handelt ohne Schuld.

Wie beim Notwehrexzess (§ 33 StGB) entfällt auch hier das Merkmal der Schuld. Folge: keine Bestrafung.

Eine Entschuldigung scheidet jedoch aus, wenn:
• die Person die Gefahr selbst verursacht hat oder
• sie aufgrund eines besonderen Rechtsverhältnisses verpflichtet war, die Gefahr hinzunehmen.
In diesen Fällen liegt weiterhin eine Straftat vor, die Strafe kann jedoch gemildert werden.


§ 35 Entschuldigender Notstand
(1) Wer in einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für Leben, Leib oder Freiheit eine rechtswidrige Tat begeht, um die Gefahr von sich, einem Angehörigen oder einer anderen ihm nahestehenden Person abzuwenden, handelt ohne Schuld. Dies gilt nicht, soweit dem Täter nach den Umständen, namentlich weil er die Gefahr selbst verursacht hat oder weil er in einem besonderen Rechtsverhältnis stand, zugemutet werden konnte, die Gefahr hinzunehmen; jedoch kann die Strafe nach § 49 Abs. 1 gemildert werden, wenn der Täter nicht mit Rücksicht auf ein besonderes Rechtsverhältnis die Gefahr hinzunehmen hatte.

(2) Nimmt der Täter bei Begehung der Tat irrig Umstände an, welche ihn nach Absatz 1 entschuldigen würden, so wird er nur dann bestraft, wenn er den Irrtum vermeiden konnte. Die Strafe ist nach § 49 Abs. 1 zu mildern.

Beispiel 1
Die Bergsteiger Paul, Lukas und Ben sind an einem Steilhang unterwegs und über ein Seil miteinander verbunden. Plötzlich rutschen Lukas und Ben ab und hängen über dem Abgrund. Paul kann sich noch festhalten, verliert jedoch zunehmend den Halt.
Wenn Paul mit den beiden verbunden bleibt, würden alle drei abstürzen. Um sein eigenes Leben zu retten, schneidet Paul das Seil durch.

Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Was regelt § 35 StGB?
Eine Straftat bleibt straffrei, wenn sie zur Abwehr einer gegenwärtigen Gefahr begangen wird.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Welche Rechtsgüter sind erfasst?
Leib, Leben und Freiheit.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Für wen darf gehandelt werden?
Für sich selbst, Angehörige oder nahestehende Personen.
Mündliche Prüfungsfragen mit Kurzantworten: Wann greift § 35 StGB nicht?
Wenn der Täter die Gefahr selbst verursacht hat oder sie ihm zumutbar war.