Umgang mit Menschen
Warum dieses Thema so wichtig für die Security ist
Sicherheitsmitarbeiter stehen täglich im direkten Kontakt mit Menschen.
Deshalb ist es entscheidend, menschliches Verhalten und Gefühle zu verstehen, um angemessen reagieren zu können.
Wer Wut, Angst oder Stress früh erkennt, kann Konflikte rechtzeitig deeskalieren.
Viele Situationen lassen sich durch Kommunikation lösen, ohne dass es zu Gewalt kommt.
Grundlagen aus der Psychologie helfen, professionell, ruhig und souverän aufzutreten.
Sowohl Auftraggeber als auch Bürger erwarten einen respektvollen und kompetenten Umgang.
Professioneller Umgang mit besonderen Personengruppen
Als besondere Personengruppen gelten insbesondere:
• Jugendliche (zwischen14 und 18 Jahren)
• Alkoholisierte Personen
• Senioren / ältere Menschen
Der richtige Umgang mit diesen Gruppen ist für Sicherheitskräfte besonders wichtig.
Umgang mit Jugendlichen• Respektvoll behandeln und grundsätzlich siezen
• Ermahnungen sachlich und ohne aggressive Stimme aussprechen
• Auf Provokationen ruhig und professionell reagieren
• Nicht „schulmeisterlich“ auftreten
• In Gruppen wollen Jugendliche sich oft beweisen
• In der Pubertät können starke Stimmungsschwankungen auftreten
Umgang mit alkoholisierten Personen
• Erhöhte Eigensicherung und Wachsamkeit beachten
• Die Person ernst nehmen
• Geduldig zuhören
• Klare und deutliche Anweisungen geben
• Provokationen nicht persönlich nehmen
• Bei Distanzunterschreitungen professionell reagieren
Mögliche alkoholbedingte Beeinträchtigungen:
• Wahrnehmungsstörungen
• Motorikstörungen
• Verstärktes Redebedürfnis
• Abbau von Hemmungen
• Erhöhte Aggressionsbereitschaft
Umgang mit Senioren
• Immer respektvoll und höflich auftreten
• Nicht ungefragt helfen
• Besonders geduldig sein
• Senioren können langsamer reagieren (körperlich oder geistig)
• Sie können starrsinnig, rechthaberisch oder desorientiert wirken
Ein professioneller Umgang mit besonderen Personengruppen trägt maßgeblich zur Deeskalation, Sicherheit und erfolgreichen Auftragserfüllung bei, da Sicherheitskräfte höchstwahrscheinlich tagtäglich mit diesen Menschen zu tun haben und der richtige Umgang unverzichtbar ist.
Wie sollte man mit Senioren richtig umgehen?
Wie verhält man sich richtig gegenüber alkoholisierten Personen?
Wie sollte man mit Jugendlichen umgehen?
Kommunikation und Eisbergmodell:
Kommunikation ist der Austausch von Informationen zwischen einem
Sender und einem Empfänger.
Sie erfolgt verbal (durch Worte) und nonverbal
(durch Körpersprache, Mimik, Gestik, Tonfall).
Das Eisbergmodell erklärt, dass Kommunikation immer auf zwei Ebenen stattfindet:
1. Sachebene (sichtbare Ebene):
• Bewusste und sichtbare Ebene
• Inhalte, Fakten, Zahlen
• Entspricht der verbalen Kommunikation
• Macht nur ca. 10–20 % der gesamten Kommunikation aus
2. Beziehungs- und Gefühlsebene (unsichtbare Ebene):
• Unbewusste und unsichtbare Ebene
• Gefühle, Stimmung, Haltung, Beziehung
• Entspricht überwiegend der nonverbalen Kommunikation
• Macht ca. 80–90 % der gesamten Kommunikation aus
Bedeutung für Sicherheitskräfte:
Entscheidend ist nicht nur was gesagt wird, sondern vor allem
wie es gesagt wird.
Tonfall, Körpersprache und Auftreten beeinflussen die Wirkung stärker als der reine Inhalt.
Gerade im Sicherheitsdienst ist eine ruhige, professionelle und deeskalierende Kommunikation unverzichtbar.
Vier-Ohren-Modell (Vier Seiten einer Nachricht):
Das Vier-Ohren-Modell erklärt, dass jede Nachricht auf vier Ebenen verstanden werden kann.
1. Sachebene (Sachaussage):
• Fakten und sachliche Informationen
2. Selbstoffenbarung (Selbstaussage):
• Das, was der Sender über sich selbst preisgibt
• Gefühle, Einstellungen, innere Verfassung
3. Beziehungsebene:
• Wie der Sender zum Empfänger steht
• Wertschätzung, Respekt oder Abwertung
4. Appellebene:
• Was der Sender beim Empfänger erreichen möchte
• Aufforderung zu einer Handlung
Daher spricht man auch von den vier Seiten einer Nachricht.
Johari-Fenster:
Das Johari-Fenster ist ein psychologisches Modell, das die Unterschiede zwischen
Selbstwahrnehmung (Selbstbild) und Fremdwahrnehmung (Fremdbild) erklärt.
Es zeigt, dass es Anteile unseres Verhaltens gibt, die uns selbst bekannt sind – und andere, die nur von außen wahrgenommen werden.
1. Öffentlicher Bereich (Mir und anderen bekannt):
Beispiel:
Ein Sicherheitsmitarbeiter weiß, dass er ruhig spricht – und andere nehmen ihn ebenfalls als ruhig wahr.
2. Blinder Fleck (Anderen bekannt, mir selbst jedoch nicht):
Beispiel:
Ein Sicherheitsmitarbeiter glaubt, sachlich zu sprechen. Besucher empfinden ihn jedoch als streng oder unfreundlich.
Er selbst merkt das nicht.
3. Geheimer Bereich (Mir bekannt, anderen nicht):
Beispiel:
Ein Mitarbeiter ist innerlich nervös vor einer großen Veranstaltung, zeigt dies nach außen jedoch nicht.
4. Unbekannter Bereich (Weder mir noch anderen bekannt):
Beispiel:
Ein Mitarbeiter entdeckt erst in einer Stresssituation, dass er sehr gut unter Druck arbeiten kann – vorher wusste das niemand.
Dieses Modell hilft Sicherheitskräften, die eigene Wirkung zu reflektieren und Selbst- und Fremdbild besser abzugleichen.
Hinweis für die mündliche Prüfung:
Merken Sie sich die vier Bereiche des Johari-Fensters:
1. Öffentlicher Bereich
2. Blinder Fleck
3. Geheimer Bereich
4. Unbekannter Bereich
Maslow'sche Bedürfnispyramide
Die Maslow´sche Bedürfnispyramide ist ein Motivationsmodell, das menschliche Bedürfnisse in fünf aufeinander aufbauende Stufen einteilt.
Erst wenn eine Stufe weitgehend erfüllt ist, gewinnt die nächste an Bedeutung.
1. Physiologische (körperliche) Bedürfnisse:
Grundbedürfnisse wie Essen, Trinken, Schlafen.
2. Sicherheits (körperliche) Bedürfnisse:
Bedürfnis nach Schutz, Ordnung, Stabilität und Sicherheit.
3. Soziale (körperliche) Bedürfnisse:
Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Freundschaft, Liebe und Anerkennung.
4. Individual (körperliche) Bedürfnisse (Ich-Bedürfnisse):
Bedürfnis nach Wertschätzung, Status, Selbstachtung und Erfolg.
5. Selbstverwirklichung (körperliche) Bedürfnisse:
Bedürfnis nach persönlicher Entfaltung, Weiterentwicklung und Zielerreichung.
Für Sicherheitskräfte ist dieses Modell wichtig, um zu verstehen, dass Menschen je nach unerfülltem Bedürfnis unterschiedlich reagieren können – insbesondere bei Unsicherheit oder Bedrohung.
Selbstwertgefühl
Selbstwertgefühl ist die Einschätzung des eigenen Wertes.
Das Selbstwertgefühl entwickelt sich maßgeblich im Kindesalter. Eine stabile Ausprägung entsteht durch positive Erfahrungen, Anerkennung und Erfolgserlebnisse.
Ein mangelndes Selbstwertgefühl kann zu Minderwertigkeitsgefühlen führen. Diese entstehen häufig durch wiederholte Misserfolge, körperliche Einschränkungen oder Langzeitarbeitslosigkeit.
In manchen Fällen kann ein geringes Selbstwertgefühl auch zu einem übersteigerten Auftreten führen. Betroffene versuchen ihre Unsicherheit zu kompensieren und wirken dadurch überheblich, arrogant oder wenig kritikfähig.
Gerade im Sicherheitsdienst ist ein stabiles und realistisches Selbstwertgefühl wichtig, um souverän, sachlich und professionell auftreten zu können.
Erster Eindruck
Der erste Eindruck ist das Gesamtbild, das innerhalb weniger Sekunden von Menschen, Situationen oder Objekten entsteht.
Er beeinflusst unsere erste Reaktion, zum Beispiel den Einstieg in ein Gespräch, und vermittelt zunächst eine gewisse Handlungssicherheit. Diese kann jedoch trügerisch sein, da der erste Eindruck nicht immer der Realität entspricht.
Der erste Eindruck wird durch die
individuelle Wahrnehmung
beeinflusst. Unter individueller Wahrnehmung versteht man die Aufnahme von Informationen über die fünf Sinnesorgane:
• Sehen (Augen)
• Hören (Ohren)
• Riechen (Nase)
• Fühlen / Tastsinn
• Schmecken (Mund)
Diese Sinneseindrücke werden im Gehirn verarbeitet und führen zu einer schnellen Bewertung der Situation oder Person. Da jeder Mensch Wahrnehmungen unterschiedlich verarbeitet, kann auch der erste Eindruck unterschiedlich ausfallen.
Für private Sicherheitskräfte ist es daher besonders wichtig, einen positiven ersten Eindruck zu hinterlassen – durch ein gepflegtes Erscheinungsbild, eine klare und höfliche Kommunikation sowie ein sicheres und professionelles Auftreten.
Vorurteile
Vorurteile sind ungeprüfte Informationen oder Annahmen über Personen oder Sachen.
Sie entstehen häufig durch Verallgemeinerungen, eigene Erfahrungen oder eine einseitige Erziehung.
Die Folge können Fehleinschätzungen von Situationen oder eine falsche Beurteilung der betroffenen Personen sein.
Für Sicherheitsmitarbeiter ist es besonders wichtig, ohne Vorurteile zu handeln, da Entscheidungen stets objektiv, sachlich und situationsbezogen getroffen werden müssen.
Beispiel:
Ein Sicherheitsmitarbeiter stuft eine Person aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes sofort als problematisch ein. Tatsächlich verhält sich diese Person jedoch korrekt und unauffällig.
Ein vorschnelles Urteil könnte hier zu einer unnötigen Eskalation oder ungerechten Behandlung führen.
Frustration und Aggression
Frustration ist ein Gefühl des Missmuts oder der Enttäuschung, das entsteht, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden oder gesetzte Ziele nicht erreicht werden.
Bleibt Frustration bestehen oder wird sie nicht verarbeitet, kann sie sich steigern und in Aggression übergehen.
Aggression bezeichnet ein Verhalten, bei dem jemand gegenüber anderen Menschen oder Sachen Gewalt anwenden will sei es körperlich (physisch) oder seelisch (psychisch).
Für Sicherheitskräfte ist es wichtig, frühzeitig Anzeichen von Frustration zu erkennen, da diese eine Vorstufe von Aggression sein kann. Durch ruhiges Auftreten, klare Kommunikation und deeskalierendes Verhalten lassen sich viele Situationen entschärfen, bevor es zu aggressivem Verhalten kommt.
Konflikte und Eskalationsstufen
Konflikte entstehen, wenn gegensätzliche Meinungen, Bedürfnisse oder Interessen aufeinandertreffen.
Ein Konflikt entwickelt sich häufig stufenweise und kann – wenn er nicht frühzeitig erkannt wird – bis zur Gewalt eskalieren.
1. Stufe – Emotionalisierung
Gefühle werden geweckt, Emotionen verhärten sich.
Die Beteiligten reagieren zunehmend gereizt oder angespannt.
2. Stufe – Personalisierung
Der Konflikt wird persönlich genommen.
Ein möglicher Gesichtsverlust wird befürchtet, Vorwürfe treten in den Vordergrund.
3. Stufe – Legitimierung
Die Beteiligten rechtfertigen ihr eigenes Verhalten.
Das eigene Handeln wird als richtig dargestellt, die Kompromissbereitschaft sinkt.
4. Stufe – Radikalisierung
Emotionen verstärken sich weiter.
Es kommt zu Beleidigungen, Drohungen oder verbalen Angriffen.
5. Stufe – Gewalt
Der Konflikt endet in körperlicher Gewalt.
Wichtig für Sicherheitskräfte – Deeskalation
Ziel ist es, einen Konflikt möglichst frühzeitig zu erkennen und zu deeskalieren.
• Ruhiges und kontrolliertes Auftreten
• Klare und sachliche Kommunikation
• Aktives Zuhören
• Distanz wahren und Eigensicherung beachten
• Keine Provokationen erwidern
Je früher eingegriffen wird, desto größer ist die Chance, eine Eskalation bis zur Gewalt zu verhindern.
Menschenkenntnis
Menschenkenntnis ist die Fähigkeit, Verhalten, Reaktionen und Absichten von Menschen realistisch einzuschätzen.
Sie basiert auf Lebenserfahrung, Beobachtungsgabe, Intelligenz und einer gewissen sozialen Kompetenz.
Gute Menschenkenntnis hilft dabei, Stimmungen frühzeitig zu erkennen und Situationen richtig zu bewerten.
Für Sicherheitsmitarbeiter ist sie besonders wichtig, da sie die Kommunikation positiv beeinflusst, Missverständnisse reduziert und einer möglichen Eskalation frühzeitig entgegenwirken kann.
Motivation
Motivation ist der Antrieb, der einen Menschen dazu bringt, ein Ziel zu erreichen und entsprechend zu handeln.
Primäre Motive (angeboren):
Primäre Motive sind biologische Grundbedürfnisse, z. B.:
• Essen
• Trinken
• Schlafen
Sekundäre Motive (erlernt):
Sekundäre Motive sind erlernte Bedürfnisse, die sich im Laufe des Lebens entwickeln, z. B.:
• Anerkennung und Zugehörigkeit
• Status und Erfolg
• Gewohnheiten/Süchte (z. B. Nikotin)
Für Sicherheitskräfte ist Motivation wichtig, weil sie Aufmerksamkeit, Einsatzbereitschaft und professionelles Auftreten beeinflusst.
Stress:
Stress ist eine körperliche und psychische Reaktion auf besondere Anforderungen oder Belastungen. Er entsteht, wenn eine Situation als herausfordernd oder belastend wahrgenommen wird.
Man unterscheidet zwischen Eustress und Distress:
Eustress (positiver Stress):
Eustress ist positiver Stress.
Er wirkt motivierend, steigert die Leistungsfähigkeit und hilft dabei, Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen.
Beispiel:
Ein Vater wartet nervös vor dem Kreißsaal auf die Geburt seines Kindes. Die Anspannung ist hoch, aber sie ist mit Freude und Erwartung verbunden.
Als das Baby geboren ist, wandelt sich die Anspannung in Glück und Erleichterung, das ist positiver Stress.
Distress (negativer Stress):
Distress ist negativer Stress.
Er entsteht, wenn Anforderungen als überfordernd oder stark belastend empfunden werden.
Beispiel:
Während des Wartens vor dem Kreißsaal macht sich der Vater große Sorgen, fühlt sich hilflos und entwickelt starke Angst. Die Situation wird als bedrohlich erlebt, dies ist negativer Stress.
Mögliche Folgen von Distress:
• Nervosität
• Reizbarkeit
• Konzentrationsprobleme
• körperliche Beschwerden
Bedeutung für Sicherheitskräfte:
Für private Sicherheitskräfte ist es wichtig, zwischen Eustress und Distress zu unterscheiden.
Ein gewisses Maß an Stress kann die Wachsamkeit und Reaktionsfähigkeit erhöhen.
Wird Stress jedoch dauerhaft zu hoch, kann dies zu Fehlentscheidungen oder Eskalationen führen.
Ein professioneller Umgang mit Stress trägt daher wesentlich zur Sicherheit und Deeskalation bei.
Personengruppen - Menge - Masse
Personengruppen:
Mehrere Personen mit gemeinsamem Zweck oder Zusammenhang
(z. B. Reisegruppe, Schulklasse, Team).
Menschenmenge:
Viele Menschen ohne gemeinsamen Zweck, die sich zufällig an einem Ort aufhalten
(z. B. Passanten in einer Fußgängerzone).
Menschenmasse:
Sehr große, dicht gedrängte Menschenansammlung mit erhöhter Gefahr
(z. B. Konzert, Festival, Großdemonstration).
Akute Menschenmasse:
Eine Menschenmasse, bei der plötzlich eine Gefahrensituation entsteht,
z. B. durch Panik, Gedränge, Fluchtbewegungen.
Besonders relevant für Sicherheitskräfte im Rahmen von Großveranstaltungen.
Was sind Personengruppen?
Was ist eine Menschenmasse?
Was ist eine Akute Menschenmasse?
Panik:
Panik ist ein plötzlich auftretender, intensiver Angstzustand, der entsteht, wenn Menschen eine Situation als lebensbedrohlich oder unkontrollierbar wahrnehmen.
In diesem Moment übernimmt der Überlebenstrieb die Kontrolle.
Rationales Denken und bewusstes Handeln sind stark eingeschränkt oder nahezu ausgeschaltet.
Paniksturm:
Paniksturm bedeutet eine unkontrollierte Fluchtbewegung.
Typisch sind Drängeln, Stoßen und unkoordiniertes Weglaufen.
Panikstarre:
Panikstarre bedeutet Erstarren und Handlungsunfähigkeit.
Betroffene wirken wie im Schockzustand und können nicht reagieren.
Für Sicherheitskräfte ist es wichtig, Paniksituationen frühzeitig zu erkennen und durch ruhiges, klares und strukturiertes Auftreten beruhigend auf Menschen einzuwirken, um eine Eskalation zu verhindern.
